Ein paar Wochen rund um den Jahreswechsel 2022 lud CHANEL Paris zu einer Vorstellung über Parfum ein. Le Grand Numéro de CHANEL lief vom 15. Dezember 2022 bis zum 9. Januar 2023 im Grand Palais Éphémère an der Place Joffre, bei freiem Eintritt, und führte die Besucher auf eine Duftreise durch eine Folge von Räumen. Die Inszenierung ist längst geschlossen, aber sie bleibt eines der klarsten Porträts, die das Haus von seiner eigenen Parfumerie gezeichnet hat, und der ideale Einstieg in ihre Geschichte.
Der Ton war schon am Eingang gesetzt: riesige weiße Türen mit schwarzer Paspel und ein Monsieur Loyal, der Zirkusdirektor der französischen Manege, als Führer. Dahinter öffnete sich ein monumentaler Platz unter einem funkelnden Himmel aus Symbolen, mit überlebensgroßen Flakon-Silhouetten. Der erste Raum trug das Credo des Hauses: Die Parfumerie von CHANEL baut nicht auf eine einzelne Zutat, sondern auf etwas schwer Greifbares, eine Idee, einen Stil. Thomas du Pré de Saint Maur, Direktor der kreativen Ressourcen für Parfum und Beauty sowie für Uhren und Schmuck, sagt es so: „Die Parfumerie von CHANEL hat einen existenziellen Anspruch.“

1921: die Geburt von N°5
Das Herz des Rundgangs war eine Reise zurück ins Jahr 1921. Per Virtual Reality schlüpften die Besucher in die Rolle von Ernest Beaux, an den Gabrielle Chanel einen bemerkenswerten Wunsch gerichtet hatte: ein künstliches Parfum, gemacht wie ein Kleid. Sie wählte das fünfte Muster und benannte das Parfum nach seiner Nummer; auch ihre Kollektionen zeigte sie am fünften Tag des fünften Monats.
„Gabrielle Chanel wählt dieses neue Parfum nicht aus, sie erkennt es wieder“, sagt Hélène Fulgence, Direktorin des Patrimoine von CHANEL. Mit N°5 wurde Gabrielle Chanel die erste Couturière, die einem Parfum ihren eigenen Namen gab. Ernest Beaux gründete später das Laboratoire des Parfums de CHANEL, in dem ihm drei Parfümeure nachgefolgt sind, und das Haus besitzt alle seine Formeln.
Auch der Flakon gehört zur Legende: ein schlichtes Gefäß aus feinem, durchsichtigem Glas, das zum Vorbild aller späteren CHANEL-Flakons wurde und im MoMA ausgestellt war. Das erste Gesicht von N°5 war 1937 Gabrielle Chanel selbst; später folgten Marilyn Monroe, Catherine Deneuve und Carole Bouquet. N°5 hat außerdem Künstler wie Salvador Dalí, Oskar Schlemmer, Andy Warhol, Laurie Simmons und Burton Morris inspiriert, und dreißig außergewöhnliche Kunstwerke, die von ihm angeregt wurden, waren in Paris zu sehen.
CHANCE, BLEU DE CHANEL und COCO MADEMOISELLE
Danach wurde der Rundgang theatralisch. Ein Raum fing die Stimmung von Backstage und Kabarett ein, eine Anspielung auf die junge Gabrielle Chanel, die um 1901 in Moulins auf der Bühne sang und dort zu „Coco“ wurde. Ein Glücksrad verteilte echte Geschenke und stellte die vier Gesichter von CHANCE vor.

BLEU DE CHANEL wohnte in einer blauen Stadt in der Dämmerung, in der erleuchtete Fenster Geschichten erzählten und Hinweise in eine private Speakeasy-Bar mit Jazz und Blues führten. COCO MADEMOISELLE schließlich gehörte eine Welt des Schachspiels, in der die Besucher der Spur einer geheimnisvollen Verführerin über das Brett folgten.


LES EXCLUSIFS DE CHANEL: achtzehn Charaktere
Die Kollektion für Kenner bekam einen eigenen Raum. In einer Vernissage bewegter Werke standen achtzehn Charaktere für die achtzehn LES EXCLUSIFS DE CHANEL, und ein olfaktorischer Rorschachtest half jedem Gast, darunter sein Alter Ego zu finden. Das passt zu einem Satz von Olivier Polge, Parfumeur-Créateur des Hauses CHANEL: „Das Parfum drückt unsere Persönlichkeit aus, ebenso wie die Kleider, die wir tragen, oder die Art, wie wir sprechen und uns bewegen.“
Was bleibt
Le Grand Numéro ist längst vorbei, doch der Grundgedanke hilft noch heute jedem, der vor einem CHANEL-Tresen steht: Diese Parfums sind weniger eine Liste von Noten als ein Ensemble von Charakteren, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Und über N°5 sagt Thomas du Pré de Saint Maur schlicht: „N°5 ist der französische Geist schlechthin.“
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